Hexenküche: Die Rezeptsammlung zur alternativen Herstellung von Alltagsprodukten.
Hexenküche: Die Rezeptsammlung zur alternativen Herstellung von Alltagsprodukten.
Man muss wirklich oft darüber staunen, wie selbst von Gärtnern beim Schneiden der Ziergehölze in den Gartenanlagen gewirtschaftet wird. Ohne Rücksicht auf Zweck und Wirkung des Schnittes oder unter ganz falschen Voraussetzungen wird da alles zurückgeschoren, was unter die Schere kommt. Nicht nur bei Sträuchern, auch bei Bäumen kann man dieses sinnlose Drauflosschneiden beobachten, und was geradezu Unglaubliches nach dieser Richtung hin geleitet wird, das wollen wir einmal an einem recht packenden Beispiel vor Augen führen – dem Grundsatz huldigend: Von den Fehlern Anderer sollt ihr lernen.
Ein größerer Gesellschaftsgarten wies einen ansehnlichen Bestand älterer Zierbäume: Linden, Ahorn, Rotdorn u. v. m. Auf, deren weitausladende Kronen derart in einander wuchsen oder sich doch so nahe berührten, dass unter ihnen nichts mehr recht gedeihen wollte.
Es wurde nun der Wunsch laut, den Garten durch Herstellung von Rasen- und Blumenanlagen freundlicher und anziehender zu gestalten und in zweckentsprechender Weise das dichte Laubdach der Bäume zu lichten. Man wünsche wohl auch die zum Teil recht stattlichen Bäume soweit als tunlich zu erhalten, ihren Kronenumfang dagegen zu verringern und in eine angemessene Form zu bringen, so dass gleichzeitig mit der geplanten Verschönerung auch eine Verjüngung des Ganzen Platz griff. Doch sollte hierin dem ausführenden Gärtner freie Hand gelassen werden.
Und was tat nun der Gärtner?
Mit kühner Hand ergriff er die scharfzahnige Säge und schnitt fast sämtlichen Bäumen einfach die ganze Krone weg, so dass der durchschnittlich 30 cm starke Stamm in 2 – 3 m Länge vollständig kahl und nackt – schaurig anzusehen – stehen blieb. Selbst dicht neben einander stehenden Bäume wurden durchgehends geköpft, so dass sie dastanden, wie die Prellpfeiler vor einer Brücke; unter diesen befanden sich auch solche mit faustgroßen Wunden aller Art – hätte man derartige Bäume doch wenigstens ganz entfernt, oder sie so weit heruntergesägt, dass die kranken Stellen, welche jetzt teilweise unmittelbar unter der Schnittfläche liegen, auch noch mit fortkamen!
Was mag sich wohl der Mann dabei gedacht haben?
Vielleicht sagte er sich, durch diesen kolossalen Rückschnitt wird der gegen die Schnittfläche andrängende Nahrungssaft den Baum zu so kräftigen Austrieben zwingen, dass diese zu Bildung einer neuen, jugendfrischen Krone dienen könnten. Nun ja, eine Verjüngung, einfach aber gründlich!
Ja, rechtfertigen denn aber die Lebensbedingungen des Baumes ein solches Verfahren? Nun, man höre nur erst, was ein solcher Gewaltakt für Folgen nach sich zieht!
Einige Bäume sterben ab, ohne auch nur den kleinsten Trieb zur Entwicklung gebracht zu haben, andere schlugen irgendwo im Stamme kümmerlich aus oder bildeten an verschiedenen Stellen desselben jammervolle Büschel kleiner Triebe, noch andere schmückten ihre ganze Stammlänge mit mehr oder minder kräftigen Trieben, während einzelne wieder ein üppiges Buschwerk über den Wurzelhals bildeten, ihr Stamm aber eintrocknete.
Die Ahorn trieben noch am willigsten unmittelbar unter der Schnittfläche aus, zwei von ihnen könnten sogar bei geeigneter Behandlung mit der Zeit noch eine ganz nette Krone bilden. Zwei von wohl nahezu hundert Bäumen!
Der eine der genannten Ahorn trocknete übrigens auch erst noch etwa 50 cm unter der Schnittfläche ein, ehe er trieb, und dieses trockene Stammstück spaltete im Laufe des Sommers vollständig auseinander.
Woher kam das Wohl?
Es lag ja nicht einmal soviel System in dieser Baumbehandlung, dass man es für nötig gefunden hatte, auch nur eine einzige Schnittfläche zu verstreichen; infolgedessen konnte hier die Feuchtigkeit so recht einziehen, während später die Sonne den Stamm wieder so ausdörrte, dass er platzte.
Doch genug! Die vollständige Unkenntnis mit den Lebensbedingungen des Baumes konnte nur eine solchen Gedanken zu Reife bringen!
Man muss wissen, dass nicht der vom Boden aufsteigende, sondern der in den Blättern umgewandelte absteigende Saft bildungsfähig ist.
Hieraus geht hervor, dass die Blätter das Leben der Pflanze sind und soviel als möglich erhalten werden müssen. Wir aber wollen aus all den Fehlern die Lehre ziehen:
Die Verjüngung bestehe nicht im Stutzen, sondern im Zurücksetzen, das heißt, schneide nicht auf Altstumpfe zurück, denn nur wenige Gehölze treiben vermöge schlafender Augen willig aus altem Holz, schneide vielmehr stets auf Seitenäste, Seitenzweige und sichtbare, kräftige Augen.
Vergiss nicht die Schnittwunden zu glätten und zu verstreichen. Es befördert die Vernarbung und verhindert den Zutritt fäulniserregender Feuchtigkeit.
Beherzige aber vor allem: das Verjüngen einer Gartenanlagen besteht nicht im Verstümmeln der Bäume, sondern im richtigen Auslichten; Schonung und Erhaltung der guten und Beseitigung der schlechten Stämme.